Wissensmanagement als kultureller Wert resilienter Unternehmen

von | Organisationsentwicklung, Wissensmanagement

Eigentlich war dieser Artikel schon viel länger geplant, als überhaupt absehbar war, dass uns eine Herausforderung in der Größenordnung der aktuellen Corona-Krise erreicht. Nun stehen wir alle vor der großen Aufgabe diese Herausforderung gut zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen. Es zeigt sich jetzt, wie resilient wir persönlich und beruflich mit der Situation umgehen und was wir im Zweifelsfall für die Zukunft daraus lernen.Und begleitet Wissensmanagement als kultureller Wert resilienter Unternehmen diesen Weg?

Resilienz – „Gedeihen trotz widriger Umstände“

Nach Welter Enderlin „Gedeihen trotz widriger Umstände“ wird unter Resilienz die Fähigkeit von Menschen verstanden, Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen.

Unsere Planungen können noch so umfassend und differenziert sein, im Regelfall ist es selbst bei aller Vorsicht und Vorausschau nicht möglich, Krisen zu verhindern. Vorausschauend handeln wir dann, wenn wir in guten Zeiten unsere Stärken ausbauen und unsere Schwachstellen identifizieren. Es gilt sowohl im persönlichen als auch unternehmerischen Kontext Prävention durch Resilienz Routinen zu etablieren.

Organizational resilience: ability of an organization to absorb and adapt in a changing environment (Organisationale Resilienz ist die Fähigkeit einer Organisation, eine verändernde Umgebung aufzufangen und sich daran anzupassen. Originaldefinition in ISO22316)

Was im persönlichen Kontext gilt, gilt auch für den unternehmerischen. Widerstandsfähigkeit, Immunität, Belastbarkeit, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Organisation sind Eckpfeiler resilienter Organisationen. Resiliente Unternehmen schaffen es, sich zwischen Erhaltung, Reorganisation und Wachstum zu bewegen. Ihnen ist es möglich, sich den äußeren und inneren Einflüssen anzupassen und stark durch Herausforderungen und Krisen zu gehen.

Krise als Chance

Krisen bieten trotz aller Herausforderungen auch das Potenzial zu Wachstum und Umdenken. Spätestens jetzt ist die Zeit gekommen, ein Bewusstsein für potenzielle Schwachstellen, Bedrohungen und auch Chancen zu entwickeln und sich an geänderte Rahmenbedingungen anzupassen. Es geht um den systematischen Aufbau unternehmerischer Krisenfestigkeit.  

Organisationale Resilienz ist ein Entwicklungsprozess. Als Erfolgsfaktoren für stressresistente Unternehmen sind nach ISO22316 folgende Punkte beschrieben:

  • Gemeinsame Vision und Klarheit über den Unternehmenszweck
    • Verständnis sowie interne und externe Kommunikation einer gemeinsamen Vision, Mission und eines gemeinsamen Wertebildes sowie darauf abgestimmte strategische und individuelle Ziele 
  • Verständnis des internen und externen Kontextes
    • Gestaltung des internen und externen Kontextes auch im Zusammenspiel mit Partnern
  • Wirkungsvolle und kraftvolle Führung
    • Führungskräfte, die ermutigen, unterstützen und eine Fehlerkultur „Lob des Fehlers“ pflegen
  • Unterstützende Unternehmenskultur
    • Pflegen gemeinsamer Werte und Überzeugungen und einer positive Einstellung und Verhaltensweise, Förderung der Kommunikation über Chancen und Gefahren sowie Kreativität und Innovation
  • Information und Wissen teilen
    • Verteilung und Anwendung von Wissen, das Lernen voreinander als auch aus Erfahrungen und Fehlern
  • Verfügbarkeit der Ressourcen
    • Entwickeln von Ressourcen wie z.B. qualifizierte Mitarbeitende, Infrastruktur, Informationen, Technologie etc.
  • Management Disziplinen entwickeln und koordinieren
    • Design, Entwicklung und Koordination unterschiedlicher Managementdisziplinen und deren Ausrichtung auf die strategischen Ziele des Unternehmens
  • Kontinuierliche Verbesserung unterstützen
    • Überwachung der Leistung anhand vorgegebener Kriterien, um aus Erfahrungen zu lernen, sich zu verbessern und Chancen zu nutzen, Pflege einer Kultur der kontinuierlichen Verbesserung
  • Fähigkeit, Veränderungen zu antizipieren und zu bewältigen
    • Vorbereitung auf Veränderungen oder plötzliche und unerwartete Vorfälle durch Planung von Umgang und Reaktion
  • Resilienzfaktoren evaluieren
    • Regelmäßiges Messen und Bewerten relevanter Resilienzfaktoren und schließen der erkannten Lücken

Wissensmanagement als Erfolgsfaktor

„Wissen ist Macht“ – „scientia potentia est“- der bekannte Ausspruch, des englischen Philosophen, Juristen und Staatsmannes Francis Bacon hat auch heute mehr Gültigkeit denn je.

In unserer industriell geprägten Gesellschaft steht die Wertschöpfung durch Wissen zwar nach wie vor nicht an erster Stelle dennoch sind Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen unbestritten als Erfolgsfaktor von Unternehmen anerkannt. Kostennachteile bei Rohstoffen oder Energie- und Personalkosten lassen sich genau dann kompensieren, wenn Unternehmen den individuellen und kollektiven Wissensvorsprung gegenüber der Konkurrenz nutzen.

Wissensmanagement bedeutet relevantes Wissen aus einer Vielzahl von Informationen zu filtern, zu dokumentieren und in Prozessen und Innovationen umzusetzen. Wissensmanagement muss dafür elementarer Bestandteil der Unternehmenskultur sein. Das bedeutet:

  • Das Topmanagement fördert den Wissenstransfer und stellt Ressourcen für erfolgreiches Wissensmanagement zur Verfügung – Wissensmanagement muss gewollt sein.
  • Wissensmanagement darf nicht als „Eintagsfliege“ betrachtet werden, es muss sowohl kontinuierlich im Tagesgeschäft als auch nachhaltig in der Unternehmensstrategie umgesetzt werden.
  • Wissen zu teilen ist als Selbstverständlichkeit anzusehen, entsprechende Anreize und Kulturräume helfen eventuelle Hemmschwellen zu überwinden.
  • Wissensmanagement mit Kennzahlen zu hinterlegen, bedeutet Wissen messbar machen und schafft Transparenz über die durchgeführten Maßnahmen und deren Erfolg.

Mitarbeiterwissen, das Know-how um Systeme und Anlagen, Prozesse und Kundenerwartungen ist in einem global vernetzten Markt als entscheidender Wettbewerbsvorteil zu sehen.

Gerade in herausfordernden Situationen zeigen sich die Schwachstellen einer Organisation. Spätestens jetzt ist die Zeit gekommen, diese zu lokalisieren und zu optimieren damit ein Unternehmen trotz widriger Umstände bestehen und gedeihen kann.

Wissensmanagement ist Risikomanagement.

Silvia Schorta
Mit ihrem breiten Erfahrungshintergrund unterstützt sie Unternehmen in der digitalen Transformation und der Wissensarbeit, coacht Wissenstransfers und begleitet Kulturveränderungen. Sie liebt die Berge und das Meer.
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